PAUSE MIT PAYNE

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Kathrin Metzner

Im Filmfest-Team von 2009 bis 2016, u.a. Akkreditierung, Social Media und seit 2011 Pressereferentin

Für ein Teammitglied gibt es in der Festivalzeit nichts anderes neben dem Filmfest. Eine reichliche Woche lang dreht sich alles um die Gäste und Besucher:innen, die Filme, das Networking und die ein oder andere Party. Man organisiert, informiert, ist überall gleichzeitig und eigentlich ständig auf dem Sprung. Pausen gönnt man sich viel zu selten, weil immer etwas dringend ist und die Anrufe und Mails niemals stoppen. Schließlich will man, dass sich alle wohlfühlen und das beste Filmfest ever erleben.

Unter dieser Hochspannung war ich 2015 auf einem Empfang in Schwabing, weil zwei Filmfest-Gäste dort Interviews gaben, die ich organisiert hatte. Gerade als ich am Aufbrechen war, im Kopf schon beim nächsten Punkt auf meiner To-Do-Liste, erspähte mich Alexander Payne. Dem zweifach oscarprämierten Regisseur war in diesem Jahr die Retrospektive gewidmet und wir hatten uns in den vergangenen Tagen immer wieder bei Presseterminen gesehen. Er steuert auf mich zu, hakte sich bei mir unter und meinte nur: „You look like you need a break“. Mit Verweis auf meinen „busy schedule and next guests waiting“ versuchte ich noch zu protestieren, aber ich war chancenlos. Wenn Alexander Payne einem eine Pause auferlegt, macht man Pause. Er schaute mich an und fragte, was wir tun sollten. Da wir nahe am Englischen Garten waren, schlug ich einen Spaziergang vor. Also lief ich plötzlich Arm in Arm mit einem meiner absoluten Lieblingsregisseure im schönsten Sonnenschein durch den Park und wir sprachen über Bücher, Reisen und entdeckten, dass wir beide Chaplin-Fans sind. Ich erzählte ihm von der Geschichte des Englischen Gartens und wir schauten eine Weile den Eisbach-Surfern zu. Diese unverhoffte Pause dauerte nur eine knappe Stunde, aber sie hat mir für die gesamte restliche Woche Energie verliehen. Und bis heute ist es der beste Spaziergang meines Lebens.

Anekdote Kathrin Metzner (1)